Wenn eine Stelle drei Monate offen bleibt, lautet die Erklärung meist: Der Markt gibt niemanden her. In manchen Berufen stimmt das. Die Bundesagentur für Arbeit weist in ihrer jährlichen Engpassanalyse eine ganze Reihe von Berufen aus, in denen Fachkräfte knapp sind1, und in Österreich legt die Fachkräfteverordnung jedes Jahr eine Liste der Mangelberufe fest2.
Häufiger verteilt sich die Zeit aber auf Wartephasen, die niemand protokolliert. Und anders als der Arbeitsmarkt liegen die in deiner Hand.
Zwei Kennzahlen, die oft verwechselt werden
Time-to-Fill misst, wie lange eine Stelle offen ist: vom Start der Suche bis zur Zusage. Time-to-Hire misst, wie lange eine konkrete Person im Prozess ist: von ihrer Bewerbung bis zur Zusage. Die erste Zahl sagt dir, wie lange dir jemand fehlt. Die zweite sagt dir, wie lange gute Leute auf dich warten müssen, und damit, wie hoch das Risiko ist, dass sie vorher abspringen.
Für die Frage, wo dein Prozess Zeit verliert, ist die zweite Zahl die nützlichere.
Zerlege die Kennzahl
Time-to-Hire als einzelne Zahl hilft nicht weiter. Nützlich wird sie erst, wenn du die Strecke in Abschnitte teilst:
- Bewerbungseingang bis Sichtung
- Sichtung bis Einladung
- Einladung bis Gespräch
- Gespräch bis Rückmeldung
- Zusage bis Vertragsunterzeichnung
Miss das für die letzten zehn Besetzungen. Dafür brauchst du kein System: Die Zeitstempel stehen in deinem Postfach und deinem Kalender. In den meisten Fällen liegen zwei Abschnitte auffällig über dem Rest, und es sind selten die, die man vermutet.
Die üblichen Verdächtigen
Eingang bis Sichtung
Bewerbungen landen im Postfach und werden gesichtet, wenn jemand Zeit hat. Bei einer Stelle mit vierzig Bewerbungen bedeutet das oft eine Woche, bevor überhaupt etwas passiert. Kommen Bewerbungen über mehrere Wege, also Formular, Mail und Jobportal, wird es noch schlimmer, weil niemand den Überblick hat, was schon gelesen ist.
Das ist die Stelle, an der Automatisierung am meisten bringt. Wenn alle Bewerbungen an einem Ort landen und bei Eingang vorsortiert werden, beginnt deine Arbeit bei einer geordneten Liste statt bei einem Stapel.
Einladung bis Gespräch
Terminfindung per Mail ist ein unterschätzter Zeitfresser. Drei Vorschläge, eine Gegenfrage, ein neuer Vorschlag: Schnell sind es vier Tage für einen einzigen Termin. Feste Gesprächsfenster und eine Buchung, bei der die Person selbst einen freien Termin wählt, lösen das Problem einmal und dauerhaft.
Gespräch bis Rückmeldung
Hier verlierst du Kandidaten, nicht nur Zeit. Wer nach einem guten Gespräch zwei Wochen nichts hört, geht davon aus, dass es nichts wird, und nimmt das andere Angebot an.
Die Ursache ist fast immer dieselbe: Die Entscheidung hängt an einer Person, die im Urlaub ist oder auf eine weitere Meinung wartet. Ein fester Termin für die Nachbesprechung, direkt bei der Terminvergabe mitgeplant, hilft zuverlässiger als jede Erinnerungsmail. Muss die Fachabteilung mitreden, hol ihre Einschätzung vor dem Gespräch ein, nicht danach.
Zusage bis Vertrag
Ein unterschätzter Abschnitt. Zwischen mündlicher Zusage und unterschriebenem Vertrag vergehen oft ein bis zwei Wochen, in denen die Person weiter für andere ansprechbar ist. Halte eine Vertragsvorlage bereit, kläre Gehalt und Startdatum im Gespräch, und schick den Vertrag am selben Tag.
Was messbar hilft
- Vorsortieren bei Eingang. Nicht um die Entscheidung abzugeben, sondern um die Reihenfolge zu klären. Wer zuerst auf die zwanzig plausibelsten Bewerbungen schaut statt auf die zwanzig ältesten, ist schneller fertig.
- Feste Gesprächsfenster. Zwei Nachmittage pro Woche, dauerhaft geblockt.
- Eine Person, die für jede Stelle den nächsten Schritt verantwortet. Wenn alle zuständig sind, wartet jeder auf den anderen.
- Absagen sofort. Eine Absage, die zwei Wochen liegen bleibt, schadet deinem Ruf und blockiert deine eigene Übersicht.
- Eine kurze Eingangsbestätigung mit realistischem Zeitplan. Wer weiß, wann er etwas hört, wartet geduldiger.
Schnelligkeit ist kein Selbstzweck. Aber die beste Bewerberin ist meistens auch die, die am wenigsten lange auf dich warten muss.
Was du nicht optimieren solltest
Das Gespräch selbst. Ein Interview auf zwanzig Minuten zu kürzen spart eine halbe Stunde und kostet dich die Entscheidungsgrundlage. Dasselbe gilt für die Prüfung der Unterlagen: Schneller zu lesen ist kein Fortschritt, wenn du dabei die Passenden übersiehst. Kürze die Wartezeiten, nicht die Prüfung.
So startest du
Nimm die nächste Stelle, die du besetzt, und schreib für jeden der fünf Abschnitte das Datum auf. Nach drei oder vier Stellen siehst du, wo es hakt. Dann änderst du genau einen Abschnitt und misst wieder. Das klingt unspektakulär, bringt aber mehr als jede große Umstellung auf einmal.
Quellen
- 1.Bundesagentur für Arbeit, Statistik: Engpassanalyse (jährlich)
- 2.Fachkräfteverordnung (Österreich), jährliche Festlegung der Mangelberufe, abrufbar im Rechtsinformationssystem des Bundes
Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.